| Das Fachgespräch
– Herzstück neuer Prüfungen
Im Zuge der Neuregelung zahlreicher Ausbildungsberufe sowie
der Meisterausbildung, die zu einer durchgängig handlungsorientiert
ausgerichteten Struktur führen, ergeben sich auch für
die jeweiligen Prüfungsverfahren erhebliche Neuerungen.
Im Rahmen der vielfach erheblich umfangreicheren praktischen
Prüfungsteile, die wieder mehr den Charakter des Prüfungsstücks
und nicht mehr der kontinuierlich zu beobachtenden Arbeitsprobe
aufweisen, wird jetzt ein sog. Fach- oder Prüfungsgespräch
durchgeführt. Ihm kommt eine zentrale Bedeutung innerhalb
einer handlungsorientiert ausgerichteten Prüfung zu,
ermöglicht es doch nun die „Dreifaltigkeit“
der vollständigen Handlung zu gewährleisten. Selbstständige
Planung und Durchführung waren lange schon mehr oder
weniger fester Bestandteil moderner Prüfungen in der
beruflichen Aus- und Weiterbildung. Doch erst die Installation
eines Fachgesprächs macht auch die eigenständige
Kontrolle der erbrachten Prüfungsleistung zu einem
obligatorischen Prüfungsbestandteil. Zahlreiche Weiterbildungsveranstaltungen
zum Thema haben gezeigt, dass für viele Prüfer
ist dieser Prüfungsteil Neuland ist und es schwer fällt,
von dem gewohnten Verfahren der klassischen mündliche
Prüfung ab zu gehen.
Für Fachgespräche gilt: Der Prüfling soll
die fachbezogenen Probleme und deren Lösung bei der
Durchführung der Arbeitsaufgabe aufzeigen, seine Vorgehensweise
begründen und die für die Arbeitsaufgabe wesentlichen
fachlichen Hintergründe erläutern.
- Das Fachgespräch ist keine mündliche Prüfung.
Es bezieht sich allein auf die individuelle Durchführung
der Arbeitsaufgabe!
- Das Fachgespräch sollte schon bei der Begutachtung
und Beurteilung der Arbeitsaufgabe vorbereitet
werden.
- Fragen, die in keinem Zusammenhang mit der konkreten
Arbeitsaufgabe stehen, sind unzulässig!
- Die Beurteilung des Fachgesprächs hat anhand nachvollziehbarer
Bewertungskriterien zu erfolgen!
Die Probleme, die sich bei der Umsetzung ergeben, sind
vielschichtig. Da ist zum einen der Prüfling, der es
meist gewohnt ist, „abgefragt“ zu werden und
nicht eigenständig seine Prüfungsleistung zu analysieren.
Wer mit den Prinzipien des Fachgesprächs nicht schon
während der Ausbildung vertraut gemacht wurde, wer
es gewohnt ist, dass stets Ausbilder oder Lehrer die gezeigten
Leistungen kommentiert und bewertet, ist in der Prüfung
mit dieser Anforderung überfordert.
Auf der anderen Seite der Prüfer, der es oftmals
nach jahrelanger Erfahrung gewohnt ist, die mündliche
Prüfungssituation zu steuern und zu lenken, mit gezielten
Fragestellungen relativ klar einzuordnende Antworten zu
bekommen und nach einem Richtig-Falsch-Prinzip zu bewerten.
Jetzt gilt es, ein Fachgespräch zu führen, sachlich,
möglichst hierarchiefrei und ggf. mit der Bereitschaft,
andere Lösungsalternativen zu diskutieren und zu zulassen.
Nicht zuletzt ist es die Bewertung, die erhebliche Schwierigkeiten
bereitet. Auch hier gilt es um zu denken, da gänzlich
neue Kriterien in den Mittelpunkt rücken:
Das Erkennen von Stärken und Schwächen der Leistung
und ihrer Ursachen. Das Benennen von Lösungsalternativen
und Verbesserungsmaßnahmen sind nur einige. Die Forderung
nach einer nachvollziehbaren Bewertung setzt ein differenziertes
Bewertungsschema voraus, dass in den meisten Fällen
noch nicht vorhanden ist.
Auf Prüferseite aber auch auf Seiten der Ausbildenden
muss am Thema „Fachgespräch“ gearbeitet
werden um langfristig eine Standardisierung dieses Prüfungsteils
zu gewährleisten und den Anforderungen der entsprechenden
Verordnungen gerecht zu werden.
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